Mühlen-Lesung 2026




Wie im wahren, bunten Leben – Die Lust am Schreiben
Auf einem Pfad von Bad Gandersheim über das chinesische Hochland zu einem unterirdischen Gangsystem – mit Zwischenstation und Ankunft in einem AWO-Seniorenheim.
Der Themenstrauß bei der 3. Mühlen-Lesung am 30. Oktober 2026 in der Wassermühle Liesebach war ausgesprochen farbenfroh gebunden. Seine Spannweite reichte von persönlichen Erinnerungen über fernöstliche Lebenswelten und geheimnisvolle unterirdische Gänge bis hin zu lyrischen Betrachtungen. Kurz gesagt: Das pralle Leben hatte einmal mehr Einzug in die Mühle gehalten.
Ganz überraschend kam diese Vielfalt allerdings nicht. Schon die unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Hintergründe der vier Vorlesenden – zwei Autorinnen und zwei Autoren – ließen vermuten, dass an diesem Abend Geist, Körper und Seele gleichermaßen zu ihrem Recht kommen würden. Schließlich ist das 7‑Mühlen-Dorf nicht nur Wohnort, sondern auch Inspirationsquelle der vier literarisch Aktiven.

Jeder hatte rund 15 Minuten Zeit, aus eigenen Werken vorzutragen. Eine überschaubare Zeitspanne, die allerdings nicht nur zum Lesen, sondern auch für kleine Ausflüge in die Entstehungsgeschichte der Bücher und die Gedankenwelt ihrer Verfasser genutzt werden durfte.
Die Vorfreude war schon vorher da
Bereits bei der internen Vorbesprechung am 2. September im Carpe Diem machte sich unter den vier Autoren und den beiden Organisatoren eine bemerkenswerte Übereinstimmung breit. Es war weniger eine Hoffnung als vielmehr die ziemlich sichere Vorahnung: Dieser literarische Abend wird Spaß machen. Den Beteiligten ebenso wie dem Publikum. Und erfolgreich dürfte er obendrein werden.


Gelungener Start
So kam es dann auch. Klaus Röhr, der Vorsitzende des Fördervereins, begrüßte die rund 120 Gäste mit sichtlicher Freude, darunter Noch-Bürgermeister Rainer Angerstein und Bald-Samtgemeindebürgermeisterin Petra Sydow und stieg ohne Umwege in seine Gastgeberrolle ein. Pünktlich, versteht sich – schließlich ist eine Mühle zwar ein Ort mit langer Geschichte, aber kein Grund, die Uhr anzuhalten.
Die Drei aus der Musik
Den musikalischen Auftakt übernahmen allerdings zunächst Herwig und Norbert Mollenhauer sowie André Hirschmann. Sie ließen die Rolling Stones und die Beatles musikalisch zu Wort kommen und sorgten mit Gesang und Instrumenten dafür, dass die Gäste den ganzen Abend über nicht nur literarisch, sondern auch musikalisch bestens versorgt waren. Die drei Musiker bildeten gewissermaßen das akustische Bindeglied zwischen den literarischen Welten.

Dreimal Prosa, einmal Lyrik – und jede Menge Leben
Mit kurzen Einführungen zu Person, Umfeld und Werk machten sich die vier auf den Weg durch ihre ganz unterschiedlichen Geschichten. Die Reihenfolge war gesetzt, die Themenvielfalt nicht:

Egbert Aselmeier– Oma, Kohleöfen und andere Herausforderungen
ISBN 978 – 3‑96940 – 275‑7
Hier begegneten dem Publikum Erinnerungen und Herausforderungen aus dem ganz normalen Leben aus den 50ern des vorigen Jahrhunderts. Wobei das Wort „normal“ bekanntlich eine ausgesprochen dehnbare Größe ist.

Stephanie Sartison– Von Bambus und Tannenbäumen – Eine wahre Geschichte
Erschienen im Eigenverlag. Informationen und Bezugsmöglichkeiten
Der Weg führte in fernöstliche Gefilde und zu einer Geschichte, die schon durch ihren Titel neugierig machte. Bambus und Tannenbäume – eine Begegnung, die man nicht unbedingt im heimischen Vorgarten erwartet.

Stefan Miersch– Der Ring des Professors – Die Fortsetzung von „Horatius von Friedeburg“
ISBN 978 – 3‑69676 – 864‑5
Hier wurde es erneut geheimnisvoll. Unterirdische Gangsysteme und die literarische Spurensuche sorgten dafür, dass die Zuhörer gedanklich durchaus auch einmal unter die Erdoberfläche abtauchen konnten.

Iris Kricheldorf– Nachtgeburten
ISBN 978 – 3‑00 – 078226‑8
Mit ihrem lyrischen Beitrag setzte Iris Kricheldorf einen eigenen Akzent. Gedicht Nummer zwei aus dem Buch stand auf dem Programm; Gedicht Nummer eins wird erst im kommenden Buch erscheinen. Auch die Literatur hat schließlich ihre Vorschaupolitik.
So unterschiedlich die vier Beiträge waren, eines verband sie: die Freude am Erzählen und Schreiben – und die Bereitschaft, das eigene Werk mit anderen zu teilen.
Nach zwei Autoren gab es eine Halbzeitpause. Eine durchaus sinnvolle Einrichtung bei einem so dichten Programm. Schließlich mussten nicht nur die Eindrücke verarbeitet, sondern auch Getränke nachgefüllt und Gespräche geführt werden. Zwischen den Leseblöcken sorgten die Musiker immer wieder für einen Wechsel der Perspektive und des Tempos.
Literatur, Musik und ein bisschen Mühlenalltag
Nach knapp drei Stunden setzte die Schlussmusik den Schlusspunkt unter einen abwechslungsreichen Abend. Ganz ohne Ausblick auf das weitere Mühlenprogramm durfte es allerdings nicht bleiben. Schließlich ist die Wassermühle bekanntlich selten lange ohne Vorhaben.
Die nächsten beiden Termine wurden deshalb gleich mit angekündigt:
Auch der neue Newsletter der Mühle Liesebach durfte nicht unerwähnt bleiben.
Seine erste Ausgabe war rund zehn Tage zuvor an Mitglieder und Freunde verschickt worden. Dank der filigranen Feinarbeit unseres Webadministrators Horst Eberhard konnte die digitale Reichweite der Wassermühle und des Fördervereins deutlich gesteigert werden. Die Auswertungen der entsprechenden Programme lieferten dafür erfreuliche Belege. Auch hier gilt offenbar: Wer schreibt, der bleibt – wer zusätzlich digital kommuniziert, wird auch gefunden.
Als Anerkennung für ihre literarischen und musikalischen Beiträge überreichte der Vorsitzende den vier Leseakteuren jeweils eine Flasche kaltgepresstes Rapsöl aus der Heimatregion. Eine passende Erinnerung an einen Abend, an dem die Mühle reichlich geistige Nahrung serviert hatte. Der Applaus für alle Beteiligten fiel entsprechend herzlich aus.

Wenn die Mühle noch nicht schlafen will
Um 22 Uhr war das offizielle Programm beendet. Das bedeutete allerdings noch lange nicht, dass alle Gäste den Heimweg antraten. Für einige durfte der Abend durchaus noch ein wenig in den Reformationstag hineinreichen. Erst danach wurden die Mühlentore geschlossen.
Lange währt die Ruhe allerdings nicht. Der nächste Mittwoch steht bereits im Zeichen der Vorbereitung auf den Geopark-Nachhaltigkeitstag. In der Mühle folgt eben ein Ereignis auf das nächste – und die Arbeit geht bekanntlich nicht von allein.
Ein besonderer Dank gilt deshalb dem Logistikteam und dem TSO, dem Team für Spezielle Operationen, für die Vor- und Nachbereitung. Ohne diese zuverlässigen Kräfte wäre manches literarische Vergnügen schon an der Bestuhlung gescheitert.
Und noch eine Zahl zum Schluss, die durchaus für sich spricht: Knapp 900 Euro an Spenden kamen an diesem Abend zusammen. An Carolaund Silke, die sich um die Gäste und die Spenden kümmerten, führte offenbar kaum ein Weg vorbei. Auch dafür ein herzliches Dankeschön!
Fazit:Vier Autoren, drei Musiker, rund 120 Gäste, knapp drei Stunden Programm und fast 900 Euro Spenden. Die 3. Mühlen-Lesung hat gezeigt, wie viel Freude entstehen kann, wenn Menschen ihre Geschichten teilen. Die Mühle hat einmal mehr bewiesen, dass sie nicht nur Wasser, sondern auch Gedanken, Worte und Musik in Bewegung bringen kann.
Und wer weiß: Vielleicht wird aus dem einen oder anderen Zuhörer beim nächsten Mal selbst ein Vorleser. Platz für neue Geschichten gibt es in der Mühle jedenfalls genug.


Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!