Dreifachwumms in einer knappen Woche

Nach der Landratstour kehrten Kinder und Stadtführerinnen in der Mühle ein
Manchmal fragt man sich im Mühlenverein, ob die Wassermühle Liesebach heimlich einen Veranstaltungsmagneten eingebaut hat. Kaum war am Sonntag (12. Juli) die große Sommertour des Landrats mit rund 50 Radfahrerinnen und Radfahrern über die Ziellinie gerollt, begann bereits die Vorbereitung auf die nächsten Gäste.
Während das Technische Sofort-Ordnungs-Team (=neue Deutung für TSO) am Mittwoch die letzten Spuren der Fahrradinvasion beseitigte, kündigte sich schon der nächste Programmpunkt an. Von Sommerloch konnte jedenfalls keine Rede sein. Eher von einem ausgewachsenen Dreifachwumms.
Papier statt Bildschirm
Punkt 9 Uhr standen am Donnerstag sechs Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren vor dem Mühlentor in der Armen Reihe. Die Eltern lieferten ihren Nachwuchs ordnungsgemäß ab und durften darauf vertrauen, dass die Kinder den Vormittag ohne Handy, aber mit reichlich Papier überstehen würden.
3 Papiermacherinnen und 6 Kinder
Im Rahmen des Ferienprogramms der Samtgemeinde Nord-Elm hieß es: Papier schöpfen wie vor Jahrhunderten. Ursula Rosen, Ingrid Rosen und Gabriele Schröder übernahmen gewohnt engagiert die Rolle der Papiermacherinnen. Wer glaubt, Papier entstehe einfach so, der sollte einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen. Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung verlangen einiges an Geduld, Konzentration und Erfahrung.



Jetzt kommen Natur und Farbe ins Spiel
Die Produktionskette lief jedenfalls wie geschmiert. In der Bütte wurde gerührt – links herum, rechts herum, sicherheitshalber noch einmal links herum. Danach folgten Schöpfen, Gautschen, Pressen und schließlich das Trocknen auf der Wäscheleine im Mühlenhof. Die theoretische Einführung fand diesmal im angenehm kühlen Versammlungsraum statt, was bei den sommerlichen Temperaturen als pädagogischer Volltreffer gewertet werden darf.

Eigentlich fehlte nur noch ein Lumpensammler, der durchs Dorf zog, und ein Fuhrwerk, das die fertigen Bögen zur alten Universität Helmstedt brachte. Dann wäre die Räbker Papierproduktion des 16. Jahrhunderts nahezu komplett nachgestellt gewesen.
Wenn Müller und Papiermacher aufeinandertreffen
Besonders schön: Die Kinder ergänzten das Programm um ihre ganz eigenen Ideen. Während die Mädchen mit Hingabe Wasserzeichen, Blätter, Blüten und andere kreative Elemente ins Papier einarbeiteten, entdeckten einige Jungen nach kurzer Zeit ihre Leidenschaft für die Müllerzunft.

Männer machen Mehl
Nach einer Einweisung wurden Römermahlstein und Reibschale in Betrieb genommen. Mit bemerkenswertem Arbeitseifer entstanden Schrot und Mehl, die selbstverständlich in Tüten abgefüllt und als wertvolle Eigenproduktion mit nach Hause genommen wurden.

Kurzzeitig schien es sogar, als könnte sich in Räbke ein neuer Berufsstand etablieren: die Feinmüllerei für Nachwuchskräfte.
Den Abschluss bildete ein Rundgang durch die Mühle. Auf allen Etagen wurden Maschinen, Technik und Geschichte erklärt. Besonders erfreulich waren die Zwischenfragen. Wer etwa wissen möchte, wann das erste Brötchen gebacken wurde, zeigt schließlich echtes Interesse an den Zusammenhängen zwischen Korn, Mehl und Menschheit.
Pünktlich um 13 Uhr endete die Ausbildungseinheit. Stolz wurden die geschöpften Papiere, Mehltüten und sonstigen Kunstwerke präsentiert. Die abholenden Eltern erhielten sichtbar zufriedene Kinder zurück.
Ein kleiner Wermutstropfen blieb: Neun Kinder waren angemeldet, sechs erschienen. Drei blieben ohne Abmeldung fern. Schade. Denn bei einer Betreuungsquote von drei Papiermacherinnen und einer männlichen Hilfskraft wäre sogar noch Platz für weitere Nachwuchskräfte gewesen. Das Ziel bleibt deshalb bestehen: Beim nächsten Anlauf sollen es mindestens zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden.
Stadtführerinnen auf Spurensuche
Kaum waren die letzten Papierbögen getrocknet, stand am Freitagnachmittag bereits die nächste Besuchergruppe vor dem Tor.

Christiane Kruse traf mit der Arbeitsgruppe Stadtführerinnen Helmstedt-Ostfalen ein. Sieben Damen und ein Junior hatten sich vorgenommen, der Räbker Mühlengeschichte gründlich auf den Grund zu gehen.
Wie es sich für eine gute Exkursion gehört, begann der Nachmittag mit einer Stärkung. Selbst mitgebrachter Kuchen bildete die Grundlage für das folgende Informationspaket, das in nicht unerheblicher Dosis verabreicht wurde.
Anschließend ging es auf eine Reise durch die Geschichte des Mühlendorfes Räbke. Von den mittelalterlichen Mühlen über die Papiermacherei bis hin zum Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ spannte sich der Bogen. Selbst aktuelle Themen wie mögliche Auswirkungen der Volkswagen-Krise auf das Dorfleben fanden ihren Platz im Gespräch.
Im Mittelpunkt standen natürlich die Wassermühle Liesebach, ihre Rettung und Restaurierung sowie die vielen Menschen, die in den vergangenen Jahren dafür gesorgt haben, dass aus einer gefährdeten Anlage wieder ein lebendiger Ort der Begegnung wurde.
Beim abschließenden Rundgang führte der Weg vom Radschuppen bis auf den Papierboden. Dort zog insbesondere das Modell der Fürstlichen Papiermühle die Aufmerksamkeit auf sich. Zahlreiche Nachfragen zeigten, dass die Gruppe nicht nur zuhörte, sondern wirklich verstehen wollte.
Gegen 18 Uhr endete ein intensiver Nachmittag. Die Teilnehmerinnen wirkten angenehm informationsgesättigt, die Mühlenmannschaft (Roswitha Röhr, Christian Lubkowitz) ebenfalls. Herzlichen Dank für das Interesse, die vielen Fragen und die Lust am Nachhaken. Genau davon lebt ein Ort wie die Wassermühle Liesebach.
Und so ging eine Woche zu Ende, in der Landrat, Ferienkinder und Stadtführerinnen nacheinander ihre Spuren auf dem Mühlenhof hinterließen. Wer jetzt glaubt, es kehre Ruhe ein, kennt die Mühle noch nicht.


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