Fulminanter Mühlentag 2026

Klipp, klapp – Amen
Fulminanter Einstieg in den Deutschen Mühlentag
Noch bevor sich die ersten Besucher auf dem Mühlenhof verteilten, erklang im bis auf den letzten Platz gefüllten Versammlungsraum das „Amen“ der Mühlenandacht. Der ehemalige Braunschweiger Dompfarrer und Domprediger Joachim Hempel brachte die rund 70 Teilnehmer mit seinen Gedanken zu Pfingsten, zum Dorf und einem Lied, passend zum Paul-Gerhardt-Jahr, auf die richtige Temperatur. Begleitet von Prof. Frans Lox an der elektronischen Orgel entstand eine Stimmung, die den Tag unter ein gutes Vorzeichen stellte. „Geh aus mein Herz und suche Freud!“
Dass das 7‑Mühlen-Dorf Räbke ein Sinnbild für gelebten Zusammenhalt sein kann, zog sich wie ein roter Faden durch die Andacht. Eine Botschaft, die an diesem Pfingstmontag sichtbarer kaum hätte werden können.
Wenn die Mühle zum Dorfmittelpunkt wird
Der Deutsche Mühlentag ist für den Räbker Förderverein Mühle Liesebach und seine rund 220 Mitglieder weit mehr als ein Schautag. Hier wird sichtbar, was die Vereinsmitglieder seit Jahren antreibt: Die Geschichte der Mühle nicht nur zu bewahren, sondern mit Leben zu füllen.
Das traditionelle Müllerhandwerk zählt inzwischen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. In Räbke wird es nicht hinter Glas präsentiert, sondern erfahrbar gemacht. Hunderte Gäste nutzten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der historischen Wassermühle zu werfen und sich von der Leidenschaft der Ehrenamtlichen anstecken zu lassen.

Olaf Bunger bei der Feinarbeit
Rund um den Vierseithof herrschte buntes Markttreiben. Schmied, Zimmermann, Steinmetz und Töpfer zeigten ihr Können. Dazu kamen Getränke, gebackenes Brot, Gegrilltes und erstmals auch vegetarische Angebote. Die Warberger Blasmusik sorgte mit schwungvollen Melodien für die passende Klangkulisse, während sich viele Besucher auf der Wiese an der Schunter niederließen und den Sommertag genossen.
Menschen, Räder und lange Schlangen
Am Morgen begann alles noch überschaubar. Doch mit jeder Stunde füllte sich das Gelände mehr. Gegen Mittag bildeten sich geordnete Doppelreihen vor dem Bratwurststand, die zeitweise bis zum Getränkewagen reichten.
Ob es letztlich 2.000 oder eher 3.000 Besucher waren, lässt sich schwer sagen. Sicher ist: Das Dorf war voller Leben. Straßen und Parkflächen waren belegt, an der Fahrradstation an der Armen Reihe standen Hunderte Räder dicht an dicht.
Wer von Norden kam, wurde schon am Eingang von flatterndem Räbker Büttenpapier begrüßt. Dort hatten die Papiermacherinnen ihr Reich aufgebaut. Das Papierschöpfen faszinierte Kinder ebenso wie Erwachsene. Aus Wasser, Fasern und geschickten Handgriffen entstand vor den Augen der Besucher ein neues Blatt Papier – ein kleines Wunder, das eng mit der Geschichte des Dorfes verbunden ist.
Vom Korn zum Mehl, vom Lumpen zum Papier
Neun Mühlenführer standen bereit, um die Besuchergruppen durch die drei Geschosse der Mühle und am Wasserrad zu begleiten. Dabei ging es nicht nur um Zahnräder, Transmissionen und Mahlgänge, sondern um die große Geschichte hinter der Technik.
Wie wird aus Korn Mehl? Wie entstanden früher Papier und Schreibmaterial? Warum waren Mühlen einst technische Zentren eines Dorfes?
Besonderes Interesse fanden die Neuerungen der vergangenen Jahre: der neu geschaffene Papierboden mit dem Modell der Fürstlichen Papiermühle, die Panorama-Präsentation auf dem Großbildschirm, die Papierstube mit ihren Accessoires sowie die Vorführung der nativen Rapsölpressung auf der Empore.
Viele Kinder probierten sich außerdem an Reibschale und Römermahlstein aus. Dabei wurde schnell deutlich, wie mühsam die Herstellung des täglichen Brotes einst war – eine Erfahrung, die in digitalen Zeiten besonders eindrucksvoll wirkt.
Gemeinschaft, die aufgeht
Auch zahlreiche Gäste aus Politik und öffentlichem Leben nutzten den Deutschen Mühlentag für einen Besuch. Gespräche, Begegnungen und manches Erinnerungsfoto gehörten dazu.
Vor allem aber war es die große Zahl helfender Hände, die den Tag möglich machte. Rund 65 Menschen sorgten am Veranstaltungstag für einen reibungslosen Ablauf. Weitere 25 engagierten sich in der Vorbereitung, etwa 20 kümmerten sich um Aufräumen und Nachbereitung. Die Freiwillige Feuerwehr Räbke behielt den Brandschutz im Blick und musste erfreulicherweise nicht eingreifen.
So entstand aus vielen einzelnen Beiträgen das, was den Deutschen Mühlentag in Räbke seit Jahren auszeichnet: eine Veranstaltung, die weit über die Mühle hinauswirkt. Eine Gleichung, die vielleicht nicht mathematisch korrekt ist, aber dennoch aufgeht – weil sie Gemeinschaft schafft, Menschen zusammenbringt und Geschichte lebendig hält.
Klipp, klapp – und Amen.


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