Das Wandern ist des Müllers Lust

Scheppauer Wandergruppe entdeckt die Wassermühle Liesebach
Scheppau und Räbke verbindet mehr als nur die räumliche Nähe. Das kleine Dorf an der Scheppau, einem Nebenfluss der Schunter, zählt zwar nur etwa ein Viertel der Einwohner des 7‑Mühlen-Dorfes, doch das Interesse an Geschichte, Natur und dörflichem Engagement scheint auf beiden Seiten gleichermaßen ausgeprägt zu sein.
Als sich am Samstag, dem 20. Juni, eine 18-köpfige Wandergruppe aus Scheppau – darunter auch eine Teilnehmerin aus Süpplingen – auf den Weg zur Wassermühle Liesebach machte, waren einige Gesichter bereits mit Räbke vertraut. Mehr als zwei der Gäste hatten den Quellort der Schunter schon besucht und erinnerten sich sogar an das Modell der Fürstlichen Papiermühle, das derzeit bei Mühlenbauer Rüdiger Hagen in der Wedemark eine Verjüngungskur erhält.
Zu Fuß, per Rad und mit guter Laune
Die Wandergruppe Sill bewies eindrucksvoll, dass moderne Mobilität viele Gesichter hat. Während ein Vorauskommando mit dem Auto den Empfang vorbereitete, kamen zwei Teilnehmer per Fahrrad und die übrigen Wanderfreunde zu Fuß von der Schunterquelle nach Räbke. Der Weg führte entlang des jungen Flusses, vorbei am Gewässererlebnisplatz und durch das Dorf bis zur Wassermühle Liesebach.

Kaffeetafel, diesmal nicht aus dem Rucksack
Dort wurden die Gäste von Vereinsvorsitzendem Klaus Röhr, seiner Frau Roswitha sowie Margit Lünse herzlich begrüßt. Im angenehm kühlen Versammlungsraum wartete bereits ein reichhaltiges Küchenbuffet aus der Räbker Backstube. Besonders der Apfelkuchen sorgte für Begeisterung und führte prompt zu Nachfragen nach dem Rezept.
Digital mit Spaß und Freude
Anschließend nahm Klaus Röhr die Besucher mit auf eine Reise durch die wechselvolle Geschichte der Mühle. Neben den Restaurierungsarbeiten des vereinseigenen „TSO – Team Spezielle Operationen“ stellte er die zahlreichen Veranstaltungen des Fördervereins sowie das kürzlich abgeschlossene LEADER-Projekt vor. Acht Gewerke und Investitionen von über 70.000 Euro haben dazu beigetragen, das technische Denkmal weiter für die Zukunft zu sichern. Großes Interesse weckte dabei insbesondere die wiederentdeckte Tradition der Papierherstellung, die inzwischen zu einem festen Bestandteil der Räbker Mühlenkultur geworden ist.

Von der Papiermühle bis zum Mehlsack
Nach dem ausgiebigen Kaffeetrinken begann der Rundgang durch die Mühle. Erste Station war das Wasserrad. Dort erfuhren die Besucher, warum das Gerinne derzeit erneuert werden muss. Nach 18 Jahren zuverlässiger Dienste hatte die Anlage ausgerechnet rund um den Deutschen Mühlentag ihren Dienst eingestellt. Der Mühlengraben aber fließt weiter – auch ohne die Kraftübertragung auf das große Rad.

Im Obergeschoss drehte sich anschließend alles um die Papiermacherei. Vom handgeschöpften Büttenpapier über die Trockenpresse und den Schöpfrahmen bis hin zu historischen Zeichnungen der Fürstlichen Papiermühle wurde deutlich, wie viel handwerkliches Können einst hinter jedem einzelnen Blatt Papier steckte.
Zum Abschluss führte der Weg auf den Walzen- und den Sichterboden. Dort wurde anschaulich erklärt, wie Roggen und Weizen zerkleinert, gemahlen, gesiebt und schließlich zu unterschiedlichen Mehlqualitäten verarbeitet wurden. Technikgeschichte zum Anfassen – und das mitten in einer historischen Wassermühle.

Fast ein Leitbild für die Mühle
Nach fast drei Stunden konzentrierten Zuhörens, Staunens und Entdeckens neigte sich der Besuch dem Ende zu. Bei sommerlicher Schwüle und der besonderen Luftfeuchtigkeit einer Wassermühle war die „Mühlengehirnwäsche“ durchaus anspruchsvoll. Umso lockerer und herzlicher fielen die abschließenden Gespräche aus.
Mit einem Dank an die wanderfreudigen Gäste aus Scheppau verabschiedete sich die Mühle Liesebach von ihren Besuchern. Ein schöner Auftakt in die Mittsommerzeit – und ein weiterer Beweis dafür, dass Wandern, Geschichte und Gemeinschaft hervorragend zusammenpassen.


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